zwetschkencrumble · prunier violet
glutenfrei · warm · erdig · violett · vegan
zwetschken sind eigenartige früchte. außen dieses tiefe blauviolett, beinahe wie nacht, innen gold, grün, rot, manchmal alles gleichzeitig. und sobald wärme dazukommt, geben sie ihre form auf. sie werden weich, öffnen sich, lassen wasser austreten und färben alles, was ihnen begegnet. mich interessiert genau dieser moment.
farbe ist für mich nie nur dekoration. sie trägt eine bewegung. violett liegt am äußersten rand des sichtbaren spektrums, dort, wo das auge langsam aufhört und etwas anderes beginnt. in der esoterischen farbenlehre wird violett mit transformation verbunden: eine farbe, in der rot und blau aufeinandertreffen, materie und geist, wärme und weite. beim backen kann man ihr dabei zusehen. die zwetschke verliert ihre klare kontur und wird zu einem dunklen, glänzenden feld.
in der chinesischen küche würde ich bei diesem crumble zuerst an die mitte denken. süßer geschmack gehört zur erde, zu milz und magen, zum nähren und verwandeln. gekocht und warm verändert sich auch die qualität der frucht. aus der kühlen, saftigen zwetschke wird etwas weicheres, konzentrierteres. zimt bringt wärme und bewegung hinein. hafer, reis und haselnuss geben erde, körper und substanz. unten wasser und frucht, oben trockenheit und struktur. yin und yang liegen hier ziemlich ungeniert in derselben auflaufform.
und dann die streusel. ich mag, dass sie keiner vollkommenen geometrie gehorchen. große, kleine, runde, kantige. ein gutes crumble sieht ein bisschen aus, als hätte pippi langstrumpf beschlossen, dass gleichmäßigkeit ohnehin überschätzt wird. eine form, die aus vielen einzelnen formen entsteht und trotzdem als ganzes stimmt.
ich backe die zwetschken zuerst allein. das ist wichtig. sie bekommen zeit, ihr wasser abzugeben und ihre farbe zu verdichten. ahornsirup dazu, zimt nach gefühl. während dieser halben stunde verändert sich die ganze landschaft der form. erst danach kommen die streusel darüber. so bleiben oben gold und knusper, während darunter dieses violettrote, warme fruchtwasser lebt.
zutaten
500 g zwetschken
etwas ahornsirup
zimt nach gefühl
für die streusel
60 g reismehl
50 g gemahlene haselnüsse oder mandeln
40 g zarte glutenfreie haferflocken
30 g birkenzucker + etwas zum bestreuen
1 tl zimt
1 prise salz
60 g vegane butter, kalt und gewürfelt
zubereitung
den ofen auf 200 °c ober-/unterhitze vorheizen.
die zwetschken entkernen und vierteln. in eine auflaufform geben, etwas ahornsirup darüberlaufen lassen und zimt nach gefühl darüberstreuen. etwa 30 minuten backen. zwischendurch immer wieder umrühren. die früchte beginnen wasser abzugeben, werden weich und dunkel und bilden ihren eigenen saft.
währenddessen reismehl, haselnüsse, haferflocken, rohrohrzucker, zimt und salz vermischen. die kalte vegane butter dazugeben und mit den händen zu unregelmäßigen streuseln verreiben.
wenn die zwetschken weich und saftig geworden sind, die streusel darübergeben und mit etwas birkenzucker bestreuen. weitere 25–30 minuten backen, bis die oberfläche goldbraun ist und an den rändern das violette fruchtwasser hochblubbert.
ich würde ihn warm essen. vielleicht direkt aus der form. vielleicht mit einem löffel. vielleicht zum frühstück. vielleicht mit jemandem. manche geometrien entstehen erst, wenn man sie auseinanderfallen lässt.
bon appétit – avec fréquence d’amour, Stefanie