die lunge · vom austausch mit der welt
ich arbeite seit vielen jahren mit dem atem und etwas daran wundert mich rückblickend. in meiner ausbildung zur atemarbeit lernte ich viel darüber, was durch den atem geschehen kann. über bewusstsein, emotionen, erinnerungen, veränderte wahrnehmung und darüber, wie ein mensch durch den verbundenen atem in andere zustände gelangen kann. über die lunge selbst lernte ich erstaunlich wenig.
ich finde das schade. eine ganze welt liegt darin :)
die lunge · wenn die welt eng wird
es gibt sätze, die wir benutzen, als wären sie bilder, und vielleicht sind sie viel weniger bild als wir denken. mir bleibt die luft weg. es schnürt mir die kehle zu. ich bekomme keine luft. mir steckt etwas im hals. ich kann nicht durchatmen. ich brauche luft. der mensch hat für seine körperlichen zustände und für sein leben dieselben worte gefunden und ich mag den gedanken, dass die sprache hier etwas längst bemerkt hat, das wir später in physiologie, pathologie, psychologie und spiritualität wieder auseinandergelegt haben.
die schilddrüse · über ein kleines organ, das mit dem ganzen menschen spricht
ich hatte eine pathologielehrerin namens griselda. sie konnte über krankheiten sprechen, als wären sie keine fehler im system, sondern kreative ideen, auf die ein lebender organismus gekommen war. bei morbus basedow sagte sie einmal sinngemäß: schaut einmal, wie kreativ dieses wesen ist. den genauen satz habe ich vergessen, seinen klang habe ich behalten. denn bei morbus basedow geschieht tatsächlich etwas, das beinahe erfunden klingt. der körper bildet antikörper, die an einen rezeptor passen, der eigentlich auf ein hormon wartet.
vom wesen der verdauung · wie die welt zu uns wird
es gibt vorgänge im menschlichen körper, die so alltäglich sind, dass wir ihre eigentliche ungeheuerlichkeit kaum noch bemerken. die verdauung gehört für mich dazu. wir nehmen etwas von der welt in den mund. eine karotte. eine pflaume. ein stück brot. olivenöl. salz. wasser. dinge, die bis eben noch eindeutig außerhalb von uns waren. und einige stunden später lässt sich kaum noch sagen, wo die welt aufgehört und der mensch angefangen hat.