koralle · gelb · orange. kefir · honig · müsli · kaktusfeige
von einer pflanze, die nachts ihre türen öffnet
ich würde dir gern erzählen, dass ich heute einfach nur eine kaktusfeige zum frühstück gegessen habe. griechischer kefir, etwas honig, müsli und diese eigenartige frucht, die hier gerade überall wächst. aber inzwischen glaube ich, dass es kaum noch ein „einfach nur essen“ gibt, sobald ich anfange, genauer hinzuschauen.
von der ganzheit. safranreis mit berberitzen · ofenaubergine · zitronen-kräuterquark · za’atar-roti
ich glaube, ich habe lange gedacht, ganzheit müsse sich auch ganz anfühlen. rund vielleicht. stimmig. als würden die dinge irgendwann an ihren richtigen platz fallen und man könnte zurückschauen und sagen: ach so. deshalb. inzwischen glaube ich, dass ganzheit etwas anderes meint.
weiße bohnen · tahin · walnuss · von der beweglichkeit der seele
ich frage mich, ob eine seele eigentlich sesshaft werden kann.
der mensch kann es offensichtlich. er findet einen ort, stellt einen tisch hinein, kauft irgendwann die zweite gleiche tasse, kennt den weg zum bäcker und weiß nach einigen jahren ziemlich genau, was er mag und was er nicht mag.
feenringe · pfifferlingsgold · eine sauce aus dem wald
es gibt eine sonderbare stelle zwischen mir und der welt, an der die trennung aufhört. ich meine den mund. der mund ist auch beim atmen sehr magisch, aber das ist wiederum ein anderes thema. und zwischen zwei menschen, die sich nah begegnen, ebenfalls. überhaupt scheint der mund eine gewisse begabung für schwellen zu besitzen. pilze übrigens auch.
zucchini-gratin mit zitronen-tofu-creme & knusperkruste und von der zärtlichkeit, einen körper zu haben
ich glaube an weichheit. das ist vermutlich eine etwas eigenartige sache an die man glauben kann, weil weichheit ja eigentlich eine beschaffenheit ist. moos ist weich, die stelle unter einem katzenohr, ein kissen das schon sehr lange im selben bett liegt. ich glaube trotzdem, dass weichheit auch eine art sein könnte, in einem körper zu wohnen.
manakish · za’atar · verbindung
manakish · za’atar · verbindung
manakish ist so ein brot, das für mich schon nach gemeinsam essen aussieht, bevor überhaupt jemand am tisch sitzt. warm aus dem ofen, mit den händen auseinandergerissen, za’atar und olivenöl an den fingern. vielleicht liegt es an seiner form, vielleicht daran, dass fladenbrot in so vielen gegenden dieser welt seit sehr langer zeit weniger als einzelportion gedacht wird als als etwas, das in die mitte kommt.
warmer zucchini-minze-salat · mit kräutern, sumach & cashews
vom warmen grün
ich weiß nicht genau, wann der salat beschlossen hat kalt zu sein. vielleicht hat er das auch gar nicht selbst beschlossen und wir haben es für ihn getan, wie wir menschen überhaupt eine gewisse begabung darin besitzen, den dingen eigenschaften zuzuteilen und sie später für naturgesetze zu halten.
petite fréquence · mohnbällchen in schwarz & gold
schwarz trägt gold
es gibt farben, die scheinen etwas darzustellen und es gibt farben, die verhalten sich eher wie zustände. schwarz gehört für mich zu den zweiten. vielleicht weil man in ihm so wenig unterscheiden kann. das auge sucht eine kontur, einen anfang, eine entfernung und bekommt zunächst erstaunlich wenig zurück
vom leerer werden | fladenbrot mit sumach & schwarzkümmel
das fasten ist eine der wenigen tätigkeiten, bei denen wir etwas tun, indem wir etwas lassen.
das klingt einfacher, als es ist, denn der mensch ist ziemlich gut im hinzufügen
netz aus gold | abhandlung über pfifferlinge
ich glaube, der wald besitzt ein leben, das sich große mühe gibt, von uns übersehen zu werden. vielleicht ist mühe dabei das falsche wort, denn dem myzel scheint ziemlich gleichgültig zu sein, ob wir von seiner existenz wissen.
orangen- safran- kardamomkuchen | vom geschmack der welt
ich würde dir gern erzählen, dass geschmack eine angelegenheit der zunge ist. das wäre einfach und wahrscheinlich könnten wir uns schnell darauf einigen. süß, sauer, salzig, bitter, umami. fünf kleine türen und dahinter alles, was der mensch je gegessen hat. aber so einfach scheint es mit dem geschmack nicht zu sein.
wassermelonen- sashimi | rot
die wassermelone besteht zu mehr als neunzig prozent aus wasser. und trotzdem trägt sie eine der entschiedensten farben der pflanzenwelt in sich: rot.
petite fréquence · pistazienbällchen · grün
pistazie · rose · sesam · datteln · alte wege
das rezept beginnt mit einer farbe. grün
focaccia · die geometrie des teiges
und dann ist da das wasser.
für diese focaccia kannst du ein wasser wählen, das eine besondere qualität für dich trägt.
granola · jardin cosmique
samen · blüten · rose · geometrie
manchmal denke ich beim kochen an die alte vorstellung, dass materie erinnerung trägt. dass eine pflanze mehr in sich hält als ihre messbaren bestandteile. ihre form, ihre farbe, die landschaft, aus der sie kommt, sonne, wasser, jahreszeit.
laugenstangen · alchemie der kruste
mehl · wasser · hefe · salz · lauge · wasserwissen · jade · zitrin · zeit
manchmal interessiert mich beim kochen der augenblick, in dem ein stoff seine eigenschaften verändert. bei laugengebäck geschieht dieser augenblick im wasser.
zitronenwolkenkuchen · gelb | gâteau nuage au citron · jaune
gelb besitzt kaum schwere. es steht dem licht nahe und wird vom menschlichen auge besonders schnell wahrgenommen. es tritt hervor, wird sichtbar, breitet sich aus.
knäckebrot · die energie der aufmerksamkeit
samen · wasser · kümmel · zeit · geometrie · glutenfrei · vegan
ich mag lebensmittel, die beim essen ein geräusch machen. dieses knäckebrot kann das sehr gut. es knackt. es bricht. es krümelt. und wenn viele menschen an einem tisch sitzen, hört man irgendwann, wie es von allen seiten knuspert.
zwetschkencrumble · prunier violet
glutenfrei · warm · erdig · violett
farbe ist für mich nie nur dekoration. sie trägt eine bewegung. violett liegt am äußersten rand des sichtbaren spektrums, dort, wo das auge langsam aufhört und etwas anderes beginnt.