zucchini-gratin mit zitronen-tofu-creme & knusperkruste und von der zärtlichkeit, einen körper zu haben

ich glaube an weichheit. das ist vermutlich eine etwas eigenartige sache an die man glauben kann, weil weichheit ja eigentlich eine beschaffenheit ist. moos ist weich, die stelle unter einem katzenohr, ein kissen das schon sehr lange im selben bett liegt. ich glaube trotzdem, dass weichheit auch eine art sein könnte, in einem körper zu wohnen.

vielleicht denke ich deshalb beim kochen immer wieder über den körper nach. ausgerechnet beim kochen, obwohl es eigentlich naheliegend ist. schließlich gibt es kaum einen anderen moment, in dem wir derart selbstverständlich etwas von der welt nehmen und unserem körper übergeben. eine zucchini war zucchini. sie wuchs irgendwo aus einer pflanze, bestand aus wasser, mineralien, sonne und all den unsichtbaren vorgängen, die eine pflanze beherrschen muss, um überhaupt zucchini werden zu können. dann liegt sie auf meinem küchenbrett. später im ofen. und irgendwann verschwindet die grenze zwischen ihr und mir. ich finde das ziemlich erstaunlich.

wir sagen mein körper, meine hand, meine haut und das klingt ein bisschen so, als hätten wir all das irgendwann ausgehändigt bekommen und würden es seitdem besitzen. dabei ist dieser körper fortwährend im austausch mit allem. wir atmen welt ein. wir trinken sie. wir essen sie. wir geben wärme an sie ab. unsere augen treffen auf licht und irgendwo in uns entsteht daraus grün. unsere nase erkennt basilikum. die zunge weiß sehr genau, was eine zitrone ist, obwohl sie das wort zitrone überhaupt nicht kennt. vielleicht ist der körper weniger abgeschlossen, als wir denken.

und trotzdem verbringen wir unser ganzes leben in genau dieser einen form. sie trägt verliebtsein und fieber, zugfahrten, küchentische, zu wenig schlaf, sommer, trauer, geburtstage und all die dunkelgrünen dienstage, an denen scheinbar überhaupt nichts geschieht. sie bekommt narben, falten, graue haare. manchmal tut etwas weh. manchmal fühlt sie sich so leicht an, dass wir sie beinahe vergessen. und irgendwann wird sie aufhören, diese eine form von uns zu sein. vielleicht kommt mir gerade deshalb zärtlichkeit wie eine ziemlich vernünftige antwort auf das körperhaben vor.

warmes wasser. sonne auf der haut. schlaf wenn wir müde sind. eine hand auf dem bauch, die dort für einen moment nichts verändern möchte. und etwas gutes zu essen.

auch das ist körperliebe für mich. etwas auszuwählen, zu schneiden, zu würzen und warm werden zu lassen. dabei zuzusehen, wie aus einzelnen dingen etwas entsteht, das später ein teil von uns werden darf. vielleicht ist kochen deshalb eine sehr unmittelbare form von beziehung. zwischen erde und körper. zwischen dem, was uns nährt, und dem, was wir daraus werden.

dieses gratin gehört für mich genau dorthin. zucchini, weich im ofen gegart. basilikum. zitrone. eine creme aus tofu und hafer, die sich zwischen die einzelnen scheiben legt, und darüber etwas goldenes, knuspriges. weichheit braucht manchmal offenbar eine kruste. das gefällt mir als gedanke.

denn vielleicht ist auch unser körper so. weich und begrenzt zugleich. durchlässig genug, um welt aufzunehmen und andere menschen in sich zu bewahren. eigenartigerweise scheint ein körper das tatsächlich zu tun. jahre später weiß eine hand noch, wie sich eine andere darin angefühlt hat. die nase erinnert einen menschen über einen geruch schneller als der kopf über seinen namen. manchmal fehlt uns jemand und das fehlen sitzt mitten im brustkorb, als hätte der körper längst verstanden, dass liebe auch eine anatomische angelegenheit ist. vielleicht besteht lieben auch darin, einander eine zeit lang beim körperhaben begleiten zu dürfen.

und vielleicht gehört dazu auch dieser eigene körper. ihn kennenzulernen. herauszufinden, was ihn wärmt, was ihm schmeckt, wann er genug hat. ihn weniger als etwas zu betrachten, das fortwährend verbessert werden muss, und mehr als dieses ziemlich unglaubliche wesen, durch das wir überhaupt erfahren können, dass basilikum grün ist und zitrone sauer und eine knusprige kruste auf etwas sehr weichem eine ausgezeichnete idee sein kann.

wir sind schließlich nur für eine kleine weile in dieser wunderlichen form.

also gibt es heute zucchini-gratin.

für 4 personen

für die zucchini

800 g zucchini

2 el olivenöl

1 tl salz

1 tl chiliflocken

20 g frisches basilikum

für die zitronen-tofu-creme

300 g naturtofu

300 ml ungesüßte hafermilch

30 g hefeflocken

2 knoblauchzehen

3 el speisestärke

abrieb von 1 bio-zitrone

1 el zitronensaft

¾ tl salz

schwarzer pfeffer

für die knusperkruste

5 el panko

1 el olivenöl

1 tl fein geriebene zitronenschale

1–2 el hefeflocken

zubereitung

den backofen auf 170 °c ober-/unterhitze vorheizen.

die zucchini in etwa 2–3 mm dünne scheiben hobeln und auf einem großen backblech verteilen. mit 2 el olivenöl, 1 tl salz und den chiliflocken vermengen. im ofen garen, bis sie weich geworden sind und etwas wasser verloren haben. je nach dicke der scheiben brauchen sie dafür ungefähr 15–20 minuten.

währenddessen den tofu mit hafermilch, hefeflocken, knoblauch, speisestärke, zitronenabrieb, zitronensaft, ¾ tl salz und reichlich schwarzem pfeffer sehr fein pürieren. ruhig lange mixen, bis aus dem tofu eine glatte, beinahe béchamelartige creme geworden ist. einmal abschmecken. sie darf für sich allein recht kräftig schmecken, denn später verteilt sie ihre würze auf die zucchini.

das basilikum grob zupfen und unter die noch warmen zucchini heben.

für die knusperkruste panko mit 1 el olivenöl in einer pfanne langsam goldbraun rösten. vom herd nehmen und zitronenabrieb und hefeflocken untermischen. dadurch bekommt die kruste schon vor dem gratinieren diesen tiefen, gerösteten geschmack.

die gegarten zucchini in eine auflaufform geben. die zitronen-tofu-creme darüber verteilen und alles vorsichtig miteinander verbinden, sodass die creme zwischen die zucchinischeiben laufen kann.

den ofen nun auf 200 °c ober-/unterhitze erhöhen. die panko-mischung großzügig über das gratin geben und etwa 15–20 minuten backen, bis die creme gestockt ist und es an den rändern beginnt zu blubbern. für die letzten 3–5 minuten auf oberhitze oder grillfunktion wechseln, damit die kruste richtig golden und knusprig wird.

danach kommt ein kleiner, aber wichtiger teil: warten. das gratin etwa 10 minuten stehen lassen. die tofu-creme setzt sich in dieser zeit und verbindet sich mit den zucchini. warm ist es weich und cremig, oben knusprig, dazwischen zitrone, basilikum und ein wenig schärfe.

avec fréquence d’amour,

stefanie

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