von der ganzheit. safranreis mit berberitzen · ofenaubergine · zitronen-kräuterquark · za’atar-roti

ich glaube, ich habe lange gedacht, ganzheit müsse sich auch ganz anfühlen. rund vielleicht. stimmig. als würden die dinge irgendwann an ihren richtigen platz fallen und man könnte zurückschauen und sagen: ach so. deshalb. inzwischen glaube ich, dass ganzheit etwas anderes meint.

auf diesem teller liegen dinge nebeneinander, die einander nicht ähnlich sind. die berberitze ist sauer und beinahe streng. die aubergine wird im ofen dunkel und weich. safran färbt den reis in ein leuchtendes gelb, orangenblüte ist mehr duft als geschmack. walnüsse sind erdig, pistazien grün, der quark kühl und zitronig. nichts davon versucht, das andere zu werden. und vielleicht entsteht das ganze genau deshalb.

ich kenne zeiten im leben, in denen ich diese ordnung nicht erkennen kann. punkte, an denen der verstand sich sehr überzeugend vor mich stellt und sagt: siehst du. das leben ist gegen dich. und ich kann ihm nicht einmal vorwerfen, wie er darauf kommt. denn aus der nähe betrachtet gibt es ereignisse, die keinen sinn ergeben. begegnungen, die zu früh enden. türen, die sich schließen, obwohl wir sicher waren, durch sie gehen zu sollen. dinge, die wir verlieren, obwohl wir sie lieben. wiederholungen, die beinahe grausam wirken, weil wir dachten, wir hätten sie längst verstanden.

vielleicht liegt ein teil unseres leidens darin, dass wir das leben von einem punkt aus betrachten, während es sich möglicherweise über viel größere zusammenhänge bewegt. über jahre. über generationen. vielleicht über zeitlinien, für die unser verstand keine landkarte besitzt. ich weiß nicht, ob das so ist. aber ich kenne diese eigenartigen stellen, an denen das leben eine botschaft zu hinterlassen scheint, mystisch verpackt und ohne gebrauchsanweisung. manchmal verstehe ich sie erst jahre später. manchmal glaube ich nur, sie verstanden zu haben. manches bleibt bis heute verschlossen. und manches hat sich im rückblick tatsächlich als wegweiser gezeigt, obwohl ich in dem moment geschworen hätte, dass ich gerade in die vollkommen falsche richtung geschickt werde.

die sprache des lebens zu lernen ist für mich deshalb kein lineares unterfangen. keine sprache, in der ich irgendwann genügend vokabeln kenne und dann endlich verstehe, was mir gesagt wird. eher eine schulung im wahrnehmen. vielleicht auch darin, nicht alles sofort übersetzen zu wollen. gerade helfen mir farben. ich sehe sie und etwas in mir antwortet früher als mein verstand. ein bestimmtes blau kann einen raum öffnen. gelb kann mich erinnern. rot kann etwas zurück in den körper holen. ich muss nicht immer wissen, warum. manchmal genügt die bewegung, die eine farbe in mir auslöst. manchmal sind es andere dinge. ein traum. ein geruch. ein tier. ein satz, der irgendwo fällt und in mir an einer ganz anderen stelle ankommt, als er gemeint war. manchmal hilft auch keine farbe. kein atem. kein baum. kein kluger satz. kein zeichen und keine bedeutung, die ich einem geschehen geben könnte. auch das gehört hinein.

vielleicht ist genau das eine der schwierigsten übungen in ganzheit: das unverstandene da sein zu lassen. das widersprüchliche. das schmerzende. auch jene teile ganz da sein zu lassen, die sich im moment nicht verwandeln lassen und die ich am liebsten aus der geschichte herausnehmen würde. ich möchte mir das dunkle nicht hellreden müssen, damit ich weiter darauf vertrauen kann, dass das leben nie gegen mich ist. vielleicht liegt genau darin die schulung: seine sprache weiter hören zu lernen, auch wenn ich sie gerade nicht verstehe.

denn es ist leicht, dem leben zu vertrauen, wenn sich die dinge fügen. ich kenne auch die anderen stellen. dort, wo vertrauen keine bestätigung bekommt. wo ich nichts von einer größeren ordnung fühlen kann und der verstand genügend beweise gesammelt hat, um seine eigene geschichte zu erzählen. und trotzdem kenne ich inzwischen diese leise erinnerung daran, dass mein nichtverstehen noch kein beweis dafür ist, dass etwas gegen mich geschieht.

vielleicht sehe ich gerade nur die berberitze. nicht den reis. nicht den safran. nicht die aubergine, die im ofen weich wird. nicht die walnuss, die erde hineinbringt. nicht die minze. nicht die zitrone, die später alles noch einmal öffnet. nur diesen einen sauren punkt. und vielleicht ist genau das im moment alles, was ich sehen kann.

ich muss die berberitze nicht süß machen, damit sie auf diesen teller gehört. ich muss noch nicht wissen, wozu sie gut ist. vielleicht werde ich es irgendwann verstehen. vielleicht bleibt etwas davon verschlossen. auch das gehört zum ganzen.

safranreis mit berberitzen · ofenaubergine · zitronen-kräuterquark · za’atar-roti

für 4 personen

safranreis

300 g basmatireis

1 gute prise safran

3 el heißes wasser

1–2 tl orangenblütenwasser

salz

den safran mit dem heißen wasser übergießen und etwa 10 minuten ziehen lassen. anschließend das orangenblütenwasser dazugeben. den reis waschen und wie gewohnt in gesalzenem wasser garen. nach dem garen die safran-orangenblüten-mischung unterheben, sodass der gesamte reis leuchtend gelb wird.

berberitzen · zwiebeln · nüsse

1 große zwiebel

60 g getrocknete berberitzen

40 g pistazien

40 g walnüsse

2–3 el olivenöl

1–2 tl ahornsirup oder rohzucker

etwas salz

die berberitzen gründlich waschen und abtropfen lassen. die zwiebel in feine streifen schneiden und in olivenöl langsam goldbraun werden lassen. pistazien und walnüsse dazugeben und kurz mitrösten. zum schluss die berberitzen und etwas ahornsirup oder zucker hinzufügen und nur kurz durchschwenken. die berberitzen sollen ihre säure behalten.

ofenaubergine

2 große auberginen

olivenöl

kreuzkümmel

salz

schwarzer pfeffer

die auberginen längs halbieren und das fruchtfleisch rautenförmig einschneiden, ohne die schale zu durchtrennen. großzügig mit olivenöl beträufeln, salzen und pfeffern und mit kreuzkümmel und nochmal öl einreiben. mit der schnittfläche nach oben im ofen rösten, bis sie dunkel gebräunt und innen sehr weich sind. bei 200 °c ober-/unterhitze brauchen sie ungefähr 35–45 minuten.

zitronen-kräuterquark

250 g quark oder pflanzlicher quark

1 bio-zitrone

1 große handvoll frische minze

1 große handvoll schnittlauch

1 el olivenöl

salz

schwarzer pfeffer

vielleicht sumach wenn du hast. vielleicht zaatar, vielleicht dill, vielleicht vielleicht :)

minze und schnittlauch fein schneiden. mit dem quark, dem abrieb der zitrone, zunächst dem saft einer halben zitrone und dem olivenöl verrühren. mit salz und pfeffer abschmecken und nach und nach mehr zitronensaft dazugeben. der quark darf deutlich zitronig und kräuterig schmecken.

za’atar-roti mit frühlingszwiebeln · minze · thymian

250 g weizenmehl type 405

1 tl feines salz

½ tl backpulver

1 el olivenöl

150 ml lauwarmes wasser

1 gehäufter el za’atar

4 frühlingszwiebeln

frische minze

frischer thymian

olivenöl zum beträufeln

mehl, salz und backpulver in einer großen schüssel mischen. 1 el olivenöl mit den fingern in das mehl einarbeiten. in der mitte eine mulde formen und nach und nach das lauwarme wasser hineingeben. za’atar, fein geschnittene frühlingszwiebeln, minze und thymian dazugeben und alles mit den händen zu einem glatten teig verarbeiten. abdecken und etwa 30 minuten ruhen lassen. den teig in 4 portionen teilen und zu flachen, runden broten ausrollen oder mit den händen formen. auf ein mit backpapier belegtes blech legen und vor dem backen mit etwas olivenöl beträufeln.

bei 200 °c ober-/unterhitze etwa 20 minuten backen, bis die roti leicht gebräunt sind. oder in der pfanne mit ghee oder kokosöl ausbacken, wie du magst.

zusammenbringen

den warmen safranreis auf die teller geben und die berberitzen-zwiebel-nuss-mischung darüber verteilen. eine weich geröstete auberginenhälfte darauf oder danebenlegen und einen großzügigen löffel zitronen-kräuterquark dazugeben. mit frischer minze, frühlingszwiebeln und einigen pistazien vollenden. zu jedem teller ein warmes za’atar-roti reichen.

avec frequence d’amour, Stefanie

Zurück
Zurück

koralle · gelb · orange. kefir · honig · müsli · kaktusfeige

Weiter
Weiter

weiße bohnen · tahin · walnuss · von der beweglichkeit der seele