freude · körper · glückseligkeit· lemon hummus und muhammara

ich denke in letzter zeit viel über die freude nach. vielleicht weil wir dem schweren so bereitwillig tiefe zugestehen. dem schmerz, der sehnsucht, dem verlust, dem nichtwissen, all den stellen unseres lebens, an denen wir uns an etwas reiben und dabei vielleicht ein wenig mehr von uns erfahren. als läge dort das eigentliche wissen über unser menschsein und die freude wäre nur etwas Helles, das dazwischen geschieht.

aber vielleicht ist auch sie eine form des wissens. vielleicht sogar eine sehr alte.

ich mag den gedanken, dass der körper der engel der seele ist. dass er nicht bloß das haus ist, das sie für eine weile bewohnt, sondern ihr großes sinnliches vermögen, sich dieser welt hinzugeben. denn durch ihn wird aus welt erfahrung. eine zitrone besitzt nicht einfach eine säure, sie zieht unseren mund zusammen, macht uns wach, lässt etwas in uns antworten. sonne wird zu wärme auf unserer haut, wasser zu kühle, ein anderer mensch zu nähe und berührung. und manchmal kann uns ein geschmack so vollkommen erreichen, dass für einen augenblick nichts zwischen uns und dem leben zu sein scheint.

was wüsste eine seele von dieser welt ohne einen körper?

vielleicht ist das menschsein diese sonderbare und kostbare verbindung: eine seele, der für eine kleine zeit hände gegeben wurden und eine haut, ein mund, ein herz, das schneller schlagen kann; all diese wunderbaren irdischen möglichkeiten, durch die sie erfahren darf, was es heißt, hier zu sein.

ich möchte dabei das leben nicht schöner erzählen, als es ist. menschsein bedeutet auch verlieren, zweifeln, sich sehnen, sich irren. wir tragen dinge, die schwer sind, wir lieben und können nicht festhalten, wir müssen manches gehen lassen, obwohl wir noch lange nicht bereit dafür sind. der körper selbst kennt schmerz, erschöpfung und vergänglichkeit. leben ist menschlich. und vielleicht liegt gerade darin seine ganze eigenartige kostbarkeit.

aber ich glaube nicht, dass das schwere deshalb wahrer ist. oder tiefer. auch die freude reicht tief.

vielleicht haben wir nur verlernt, ihr dieselbe bedeutung zu geben. dieser einfachen freude daran, etwas mit den eigenen händen entstehen zu lassen. an farben. an gerüchen. an einem tisch, an dem gegessen wird. an etwas, das so gut schmeckt, dass wir unwillkürlich die augen schließen. an diesem kleinen staunen darüber, dass wir überhaupt schmecken können.

für mich gehört kochen genau dorthin. es ist etwas sehr irdisches und gleichzeitig etwas kaum erklärbar schönes: aus dem, was die erde hervorgebracht hat, etwas zu machen, das einen anderen menschen nährt. zu kosten, zu verändern, zu verbinden und irgendwann zu wissen: jetzt stimmt es. vielleicht ist das einer der gründe, weshalb ich so gerne koche. weil ich dabei sehr hier bin. in meinen händen, meinen sinnen, meinem körper.

vielleicht ist glückseligkeit deshalb gar kein ferner zustand, in dem endlich alles gut geworden ist. vielleicht ist sie viel näher. jener augenblick, in dem wir dem leben nichts hinzufügen müssen, weil wir für einen moment ganz darin sind.

ich möchte diese freude ernst nehmen. die freude am einfachen, am sinnlichen, am kreieren. und ich möchte feiern, dass ich für diese kurze, sonderbare zeit ein mensch sein darf, einen körper habe und eine seele, die durch ihn diese welt erfahren und vielleicht sogar ein wenig in ihr tanzen kann.

und manchmal, ja, schmeckt glückseligkeit nach lemon hummus und muhammara.

lemon hummus · sehr cremig & sehr zitronig

zutaten

1 dose kichererbsen, abgetropft (ca. 240–250 g)

100 g tahini

½ tl natron

50–60 ml rapsöl

50–70 ml eiskaltes wasser

1 el olivenöl

8 el frisch gepresster zitronensaft

2–3 tl fein geriebene bio-zitronenschale

1 tl zitronensäure

1 kleine knoblauchzehe

¾ tl salz

1 tl birkenzucker

1 kleine prise schwarzer pfeffer

zubereitung

die kichererbsen abgießen und gut abtropfen lassen. gemeinsam mit tahini und natron in einen leistungsstarken mixer geben und mehrere minuten sehr fein pürieren.

nach und nach das eiskalte wasser dazugeben und weitermixen, bis der hummus hell, glatt und richtig cremig wird. anschließend das rapsöl langsam einlaufen lassen und weiter mixen.

olivenöl, zitronensaft, zitronenschale, zitronensäure, knoblauch, salz, birkenzucker und schwarzen pfeffer dazugeben und noch einmal ausgiebig mixen, bis eine fast seidige creme entsteht.

kalt stellen und etwas durchziehen lassen. vor dem servieren noch einmal abschmecken. wird der hummus im kühlschrank fester, einfach 1–2 el eiskaltes wasser einmixen. so bleibt er wunderbar leicht und cremig.

muhammara · geröstete paprika · walnuss · granatapfel

zutaten

4 rote spitzpaprika

1 el paprikamark

1 el tomatenmark

2 handvoll walnüsse

1 knoblauchzehe

2 el paniermehl oder glutenfreies pankomehl

4 el olivenöl

2 el granatapfelsirup + etwas mehr zum abschmecken

1 tl kreuzkümmel

1 tl chilipulver

¼ tl schwarzer pfeffer

¼ tl salz

zubereitung

die spitzpaprika mit etwas olivenöl einreiben und bei 180 °c ober-/unterhitze etwa 15–20 minuten im ofen rösten, bis sie weich werden und dunkle stellen bekommen.

die walnüsse währenddessen in einer pfanne ohne öl rösten, bis sie zu duften beginnen. kurz auskühlen lassen.

paprikamark und tomatenmark mit olivenöl, kreuzkümmel, chili, pfeffer, salz und granatapfelsirup verrühren.

die gerösteten spitzpaprika von der schale befreien und in kleine stücke schneiden und mit den gerösteten walnüssen, knoblauch und paniermehl oder glutenfreiem pankomehl dazugeben. alles zu einer cremigen, noch leicht strukturierten paste verarbeiten.

abschmecken und ruhig noch etwas granatapfelsirup dazugeben. diese säuerliche süße gehört für mich unbedingt zur muhammara.

mit fladenbrot, manakish oder kartoffeln servieren ☺️

avec fréquence d’amour

Stefanie

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