bylles ofenkartoffeln.
es ist merkwürdig, wie wenig wir von dem wissen, was in einem anderen menschen zurückbleibt. wir verbringen einen nachmittag miteinander, bereiten etwas zu, stellen es auf den tisch und denken nicht weiter darüber nach. und während uns selbst dieser augenblick vielleicht schon entglitten ist, bewahrt ihn ein anderer, ohne dass wir davon erfahren, und trägt etwas davon mit sich fort.
so musste ich denken, als bylle mich nach dem rezept für diese kartoffeln fragte.
ich habe sie sehr gern, diese frau. und weil mir das nicht gering erscheint, möchte ich die kartoffeln nach ihr benennen. nicht, weil sie etwas Außergewöhnliches wären, sondern weil ich glaube, dass auch die gewöhnlichen dinge durch die menschen, mit denen wir sie teilen, eine eigene geschichte bekommen.
wir sind so sehr daran gewöhnt, das Besondere dort zu suchen, wo etwas selten, kunstvoll oder schwer zu erreichen ist. und übersehen darüber vielleicht, wie viel von unserem leben sich in den einfachen verrichtungen ereignet. in dem, was unsere hände tun, während unsere gedanken anderswo sind. im schneiden, waschen, würzen. in der zeit, die etwas braucht, um zu werden, was es werden kann.
diese kartoffeln behalten ihre schale und ihre ungleichen formen. manche ihrer kanten werden dunkler als andere, und ich möchte sie nicht anders haben. der thymian gibt ihnen etwas Herbes, die zitrone ihre säure, und der honig, den ich erst gegen ende darübergebe, verbindet sich mit der hitze zu einer feinen, knusprigen kruste.
es ist ein einfaches rezept. vielleicht liegt gerade darin seine schönheit, dass man ihm nichts hinzufügen muss, um es wertvoller erscheinen zu lassen.
und nun heißen sie bylles ofenkartoffeln. weil ich bylle sehr gerne mag und weil ich mich freue, dass etwas aus meiner küche einen weg in ihre gefunden hat.
das rezept · bylles ofenkartoffeln
zitronen-thymian-kartoffeln mit honig
für 4 personen
zutaten
1,25 kg mehligkochende kartoffeln
100 ml olivenöl
2 el feiner hartweizengrieß
1 tl getrockneter thymian
saft von 1 zitrone
½ tl salz
frisch gemahlener schwarzer pfeffer
3 el honig
3 el wasser
zubereitung
die kartoffeln gründlich waschen und mitsamt ihrer schale in etwa 2 cm breite spalten schneiden. in eine große schüssel mit kaltem wasser geben und 45 minuten darin liegen lassen. dadurch löst sich ein teil der stärke, was später zu einer knusprigeren oberfläche beiträgt.
den backofen auf 220 °c ober-/unterhitze vorheizen.
in einer großen schüssel olivenöl, hartweizengrieß, thymian, zitronensaft, salz, pfeffer und drei esslöffel wasser miteinander verrühren.
die kartoffeln mit einem schaumlöffel aus dem wasser heben und gut abtropfen lassen. anschließend in die marinade geben und gründlich darin wenden, bis alle spalten davon überzogen sind.
die kartoffeln auf zwei mit backpapier belegten blechen verteilen. dabei darauf achten, dass sie möglichst nebeneinanderliegen und ausreichend platz haben. so können sie rösten, anstatt im eigenen dampf weich zu werden.
für etwa 40 minuten in den ofen geben. nach der hälfte der zeit wenden. während des backens die ofentür zwei- bis dreimal kurz öffnen, damit die feuchtigkeit entweichen kann.
nach 40 minuten den honig über die kartoffeln träufeln, vorsichtig vermengen und weitere 10 minuten rösten. die oberflächen sollen karamellisieren, die ränder kräftig goldbraun werden. gegen ende aufmerksam bleiben, damit der honig nicht verbrennt.
die kartoffeln unmittelbar aus dem ofen servieren, solange sie außen noch knusprig und innen weich sind.
aus meiner küche
der hartweizengrieß ist wesentlich für die besondere kruste. zusammen mit dem olivenöl legt er sich wie eine feine, raue schicht um die kartoffeln. auch der platz auf dem blech ist wichtig. liegen die spalten zu dicht, entsteht zu viel dampf und sie werden weniger knusprig.
ich lasse die kartoffeln lieber ein paar minuten länger im ofen, als sie zu früh herauszunehmen. gerade die etwas dunkleren kanten schmecken mir am besten.
avec fréquence d’amour. Stefanie