petite fréquence · mohnbällchen in schwarz & gold

schwarz trägt gold

es gibt farben, die scheinen etwas darzustellen und es gibt farben, die verhalten sich eher wie zustände. schwarz gehört für mich zu den zweiten. vielleicht weil man in ihm so wenig unterscheiden kann. das auge sucht eine kontur, einen anfang, eine entfernung und bekommt zunächst erstaunlich wenig zurück. je länger man hineinblickt, desto weniger weiß man, ob man auf eine fläche schaut oder in einen raum. vielleicht haben wir deshalb eine etwas schwierige beziehung zum dunklen. wir möchten sehen was da ist, möchten wissen womit wir es zu tun haben und selbst das unbekannte darf gern möglichst bald einen namen bekommen. dabei beginnt erstaunlich viel leben genau dort. ein samen liegt dunkel in der erde. ein kind wächst im dunklen körper seiner mutter. unsere augen schließen sich zum schlafen und das bewusstsein zieht sich jede nacht aus einem teil der sichtbaren welt zurück. auch der mohn scheint etwas davon zu wissen. diese winzigen schwarzen samen, jeder kaum größer als ein punkt, tragen bereits die möglichkeit einer pflanze, eines stängels, einer blüte, einer neuen kapsel und darin wieder hunderte dieser kleinen schwarzen punkte. man könnte den mohn also für eine ziemlich gute unterweisung über größenverhältnisse halten. das große muss offenbar nicht groß anfangen.

mich beschäftigt schon länger der gedanke, ob dunkelheit überhaupt das gegenteil von licht ist oder ob wir sie nur so nennen, weil unsere augen dort an eine grenze kommen. vielleicht ist dunkelheit ein zustand, in dem etwas längst vorhanden ist und für uns noch keine sichtbare form angenommen hat. das würde zumindest erklären, warum wir menschen so viele dinge erst sehr viel später in uns entdecken. eine fähigkeit, eine erinnerung, ein wissen, manchmal eine ganze innere landschaft, die offenbar schon eine weile existiert hat, bevor wir sie betreten konnten. wir nennen vieles davon unbewusst und vielleicht ist das ein eigenartiges wort für all das, was jenseits unseres gegenwärtigen blickfeldes weiterlebt. wie ein haus, in dem nur einige zimmer beleuchtet sind und niemand deshalb auf die idee käme, die dunklen zimmer hätten aufgehört zu existieren. vielleicht trägt der mensch mehr räume in sich als jene, in denen er gerade wohnt.

und dann ist da gold. gold hat eine seltsame beziehung zum licht, denn es scheint es festhalten zu können und gleichzeitig wieder herzugeben. schon eine winzige spur davon auf schwarz genügt und plötzlich verändert sich das ganze bild. das gold braucht erstaunlich wenig platz. vielleicht ist das der grund, weshalb es über so lange zeit mit dem geistigen, dem sonnenhaften, dem unvergänglichen verbunden wurde. ich mag dabei besonders, dass das schwarz bleiben darf. vielleicht haben wir uns das mit der entwicklung ohnehin ein wenig zu hell vorgestellt. als müssten wir irgendwann alles erkennen, alles verstehen, jeden dunklen winkel unserer selbst ausleuchten und als wäre vollkommenheit eine art innerer mittag, an dem die sonne senkrecht über uns steht und nichts mehr einen schatten wirft. was aber, wenn bewusstsein etwas anderes tut? wenn es die verborgenen räume nicht abschafft, sondern unsere fähigkeit vergrößert, uns auch dort zu bewegen? dann wäre dunkelheit kein fehler im licht. vielleicht gehört sie zu seiner ganzen ausdehnung.

meine kleinen mohnbällchen sehen jedenfalls aus, als hätten sie von dieser angelegenheit gehört. tausende schwarze samen dicht an dicht und darüber gold, gerade genug, dass es beim drehen der kugel immer wieder irgendwo aufleuchtet. innen mandeln, haselnüsse, datteln, apfel, orangenblütenwasser und eine saftigkeit, die ihre dunkle oberfläche für sich behält. auch das gefällt mir. dass eine oberfläche nicht verpflichtet ist zu verraten, was sie enthält. vielleicht sind wir alle ein wenig so gebaut. außen eine sichtbare form und darin sehr viel mehr zimmer als lichtschalter.

petite fréquence · mohnbällchen in schwarz & gold

zutaten · für ca. 14–16 stück

8 weiche medjool-datteln, kurz in heißem wasser eingeweicht

80 g apfelmark

2 el mandelmus

100 g gemahlene mandeln

60 g gemahlene haselnüsse

80–85 g mohn

abrieb von 1 bio-zitrone

1–1½ tl vanille

1 tl backpulver

1 gute prise salz

1 tl orangenblütenwasser

optional 1 tl zitronensaft

zum wälzen & vergolden

mohn

goldstaub

zubereitung

die eingeweichten datteln fein zerdrücken oder pürieren und mit apfelmark, mandelmus und orangenblütenwasser vermengen. mandeln, haselnüsse, mohn, zitronenabrieb, vanille, backpulver und salz dazugeben und alles zu einer weichen, gut formbaren masse verbinden. wenn du magst noch einen teelöffel zitronensaft dazugeben. die masse etwa 5 minuten stehen lassen, dann mit den händen kleine kugeln formen, rundherum in mohn wälzen und mit etwas goldstaub vergolden. bei 150 °c umluft etwa 10–12 minuten leicht backen. sie sollen dabei keine trockenen kekskugeln werden, ihre mitte darf weich bleiben.

vollständig auskühlen lassen und anschließend in eine gut schließende tupperdose in den kühlschrank geben. dort werden sie noch saftiger und genau so mag ich sie am liebsten. sie lassen sich auch wunderbar einfrieren. ich lege dafür immer ein paar als kleine reserve in den tiefkühler und lasse sie bei bedarf langsam auftauen. eine petite fréquence auf vorrat gewissermaßen.

bon appétit – avec fréquence de l’amour, Stefanie

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